Junge Union Kreisverband Meissen
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12.04.2008, 18:07 Uhr | Sächsische Zeitung Übersicht | Drucken
Bericht Frühjahrsstammtisch

Extremismusforscher spricht in Gröditz
Von Claudia Parton


Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse aus Chemnitz referierte auf Einladung der Jungen Union – und blieb überraschend kritikfrei.

Eckhard Jesse ist heftigen Widerspruch gewohnt – so sehr, dass er am Donnerstag ein wenig enttäuscht nach Hause gefahren sein mag. Die Junge Union (JU) Riesa-Großenhain hatte den so bekannten wie umstrittenen Politikwissenschaftler zu ihrem Frühjahrsstammtisch nach Gröditz eingeladen. Allerdings blieben die Konservativen weitgehend unter sich. Die geplante Diskussion versandete daher in der grundsätzlichen Einigkeit der meisten Anwesenden.

Das kommt selten vor, wenn Jesse spricht. Die Extremismus-Theorie des Chemnitzer Professors wird vor allem in linksintellektuellen Kreisen vehement abgelehnt. Der Forscher geht dabei von einer Mitte der Gesellschaft aus. An ihren Rändern gibt es demnach Bestrebungen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands zu beseitigen. Das ist der Extremismus, den es im Zaum zu halten gilt. Ob er nun von links oder rechts kommt, spielt für Jesse keine Rolle.

„NPD ist bedeutungslos“

Seine Gegner werfen ihm daher vor, rechtsextremes Gedankengut zu bagatellisieren. Nach Gröditz aber waren keine Kritiker gekommen. Vor etwa 50 Besuchern referierte Jesse widerspruchslos über seine Extremismusbegriffe und Gefahren für die Demokratie.

Die NPD erklärte er dabei für zweifellos extremistisch – aber völlig bedeutungslos. Sie vertrete ihr völkisches und antidemokratisches Gedankengut derart offensichtlich, dass sie leicht zu durchschauen sei. Zudem werde sie in weiten Teilen der Gesellschaft abgelehnt.

Die Partei Die Linke sei da gefährlicher für die Demokratie. In ihrem Zusammenhang sprach Jesse von weichem Extremismus. Auch weite Teile der Linken negierten individuelle Grundrechte, etwa das Recht auf Privateigentum – das aber zumeist verbrämt. Zudem gebe es Umfragen, wonach die allermeisten Bürger die Partei mittlerweile als normal wahrnehmen.

Dass das Publikum ihm nicht widersprach, überraschte den Wissenschaftler selbst am allermeisten. „Hier waren ja nur CDU-Leute“, stellte er im Anschluss fest.

Jesse hielt genau das für bedenklich: Rudimentäre Diskussionen über Politik, die personelle Schwäche der demokratischen Parteien, das unablässige Streben nach Konsens statt offener Debatten – all das sei eine Ursache für das Aufkommen von Extremismus. Dabei sei doch gerade die NPD in der Diskussion mühelos zu entzaubern.

Tatsächlich war die rechtsextreme Partei am Donnerstag nicht angetreten, diese These Jesses zu widerlegen. Ihr Auftritt beim JU-Stammtisch wurde zum peinlichen Eigentor: Hochrot stotterten drei Anhänger ihre Fragen ins Podium.

Bessere Integration gefordert

So beklagte eine Dame die angeblich drohende Überfremdung Deutschlands und bekam vom Kreisvorsitzenden Matthias Rößler – immerhin Chefpatriot der Sachsen-CDU – entgegengehalten, dass Zuwanderer künftig einfach besser integriert werden müssten. Das beinhalte zweifellos auch ihre Zustimmung zum Grundgesetz, führte Jesse weiter aus.

Da gab es seitens der NPD keine Nachfragen mehr. Mit dem Bekenntnis zum Grundgesetz hat sie schließlich selbst so ihre Probleme.
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